30.10.2026 –, GUIX Sprache: Deutsch
Wie viel muss man wirklich verstehen, um Kubernetes zu benutzen? Weniger, als sein Ruf
vermuten lässt, im Kern nämlich ein einziges Prinzip. Dieser Vortrag erklärt dieses
Prinzip, geht echte Manifeste durch und zeigt einen Single-Node-Cluster auf k3s bei der
Arbeit. Zum Beispiel ein Rolling Update, bei dem der Dienst erreichbar bleibt, ohne dass
man dafür zwei Instanzen betreibt und einen Reverse Proxy von Hand umschaltet. Wer eine
docker-compose.yml lesen kann, bringt alles mit, was für den Einstieg nötig ist. Am Ende
kann man ein Manifest lesen, einen eigenen Cluster aufsetzen und einschätzen, wann sich
der Schritt lohnt und wann nicht.
Kubernetes hat den Ruf, erst ab einer gewissen Größe sinnvoll zu sein, und eine
Einstiegshürde, vor der viele stehen bleiben. Ich habe das lange selbst so gesehen und
mir Dinge wie Zero-Downtime Deployments stattdessen selbst gebaut, bis hin zu einem
eigenen Werkzeug dafür. Fertig geworden ist es nie, denn Kubernetes brachte die Funktion
bereits mit.
Kubernetes nimmt einem solche Handarbeit an mehreren Stellen ab. Ein Dienst, der nicht
abstürzt, sondern hängt, wird von der Liveness Probe trotzdem neu gestartet. Ein
Rollback nach einem missglückten Update ist ein einzelner Befehl. Ein CronJob läuft nach
einem Fehlschlag von selbst noch einmal, und seine vergangenen Läufe bleiben
nachvollziehbar. Der Zustand wird dauerhaft abgeglichen, statt nur beim Start zu
stimmen. Jede dieser Funktionen selbst zu bauen ist deutlich mühsamer, als sie aussieht.
In Kubernetes sind es stattdessen ein paar Zeilen YAML.
Grundlage ist der Reconciliation-Loop, der eine Gedanke, auf dem alles beruht: Man
beschreibt einen Soll-Zustand, das System vergleicht ihn fortlaufend mit dem Ist-Zustand
und arbeitet an der Differenz. Dazu kommen die Begriffe, die man wirklich braucht, von
Pod über Deployment bis Ingress, erklärt am kleinen Aufbau statt am Lehrbuch. Zu sehen
gibt es die Manifeste einer realen Anwendung, eine Demo auf einem frisch aufgesetzten
k3s-Cluster und Helm aus Anwendersicht. Auch die Grenzen kommen zur Sprache: was ein
einzelner Node nicht leistet und was Storage, Backup und Upgrades in der Praxis kosten.
Zur Einordnung: Es geht um den niedrigschwelligen Einstieg in Kubernetes selbst,
ausdrücklich nicht um lokale Entwicklungsumgebungen, die eine Produktion nachbilden, und
nicht um den Betrieb großer Cluster. Angesprochen sind alle, die mit Containern arbeiten
und um Kubernetes bisher einen Bogen gemacht haben. Kubernetes-Kenntnisse werden nicht
vorausgesetzt, Grundlagen zu Containern schon. Wer bereits mit docker-compose gearbeitet
hat, ist im Vorteil. Wer Kubernetes schon kennt, findet vor allem im Blick auf k3s und
den Single-Node-Betrieb vielleicht etwas Neues. Bewusst nicht Teil des Vortrags sind
eigene Helm-Charts, Cluster mit mehreren Nodes, Hochverfügbarkeit und die Anbindung an
CI/CD.
Stephan Peijnik-Steinwender kam 2010 als Student zu Anexia und entwickelt seither Cloud
Services. Ab 2016 leitete er dort R&D, zuletzt zwei Teams mit zeitweise mehr als zehn
Mitarbeitenden, ohne das Selberbauen dabei ganz aufzugeben.
Seit 2025 ist er Chief Solution Architect bei netcup eos, das aus Anexia hervorgegangen
ist, um Cloud ohne Altlasten von Grund auf neu zu denken. Für ihn bedeutet das eine
wieder technischere Rolle. Er liefert gerne den ersten Proof of Concept und den nötigen
Anstoß, steht Kolleginnen und Kollegen bei Konzepten und Problemlösungen zur Seite und
hält Lösungen am liebsten einfach, skalierbar und langfristig wartbar. Ein guter Teil
seiner Arbeit besteht darin, dafür zu sorgen, dass Dinge, die von außen nach
Raketenwissenschaft aussehen, im Inneren keine sind.
Zu Linux kam er 1999 mit SuSE 6.2 und wechselte kurz darauf mit Potato zu Debian. An
FOSS-Projekten beteiligt er sich regelmäßig mit kleineren Beiträgen, zuletzt unter
anderem an Home Assistant und Incus. Er lebt in Kärnten und ist beim Kärntner
Linuxstammtisch aktiv.